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Raus aus der Blase

Gespräch mit Landwirten aus Brandenburg und Schwaben

von Sarah Liebigt

Wer die Herausforderungen der Landwirtschaft meistern will, muss auf dem Boden der Tatsachen bleiben - buchstäblich. Farm & Food sprach mit den Landwirten Johanna Buntz und Dr. Thomas Gäbert über Dronen und deutsche Ackervielfalt.

Wir reden den ganzen Tag* über Agriculture und Ernährung. Was haben Sie heute Morgen gefrühstückt?

Buntz: Ich war im Hotel, muss das essen, was dort angeboten wurde. Ich habe Müsli gegessen, weiß aber nicht wo das herkam. Das ist oft ein Problem, dass n Großküchen oder Kantinen das angeboten wird, was gerade günstig ist. Da wird nicht gefragt, wo die Produkte herkommen. Ich wollte mal an eine Kantine liefern, da wurde mir gesagt, dass sich das nicht lohnt, das seien Mehrkosten, die am Ende keiner zahlt.

Landwirtschaft von morgen kann nur in Symbiose aus technologischem Fortschritt und gesellschaftlicher Verantwortung existieren. Stimmen Sie zu und wie kann diese Symbiose aussehen?

Buntz: Ja ich stimme zu. Allerdings darf man den Blick nicht auf landwirtschaftliche Produktion verlieren. Trotz lauter Smartphones oder Displays im Traktor muss man eben doch mal absteigen und den Spaten nehmen und in den Boden reinschauen. Es ist wichtig, dass man den Blick für den Boden und für die Tiere behält.

Gäbert: In den vergangenen zwei Jahren haben wir gesehen, dass es für Landwirte ganz schön hart ist, unter den Witterungsbedingungen eines veränderten Klimas zu wirtschaften. Wir haben verschiedene Möglichkeiten, uns dieser Herausforderung anzupassen. Unsere Traktoristen zum Beispiel sind allesamt Landwirte, die neben der Steuerung der Technik auch Ahnung haben vom Boden. Sie können standort- und bedarfsspezifisch arbeiten.

 

Ist es möglich, ein gemeinsames Leitbild zu entwickeln, wie sieht das aus?

Buntz: Ein gemeinsames Bild mit Politik, Landwirtschaft, Verbrauchern zu entwickeln, ist ambitioniert. Da müssten alle Interessenvertreter dabei sein, ich weiß nicht ob man da auf einen Nenner kommt. Das wäre auf jeden Fall in längerfristiges Ziel. 

Gäbert: Mittlerweile haben Netzwerke eine große Bedeutung. Wir Landwirte haben gestern schon zusammengesessen, haben Ideen ausgetauscht. Die Vielfalt in der Landwirtschaft in Deutschland ist riesig. In den unterschiedlichen Regionen haben sich ganz unterschiedliche Dinge entwickelt. Ich habe zum Beispiel mit einem Kollegen aus Nordrhein-Westfahlen gesprochen, der erfolgreich ein Projekt umgesetzt hat und werde nun schauen ob sich das vielleicht auch in Brandenburg umsetzen lässt.

Diese Treffen sind wichtig und wir kommen damit aus der eigenen Blase heraus.

Welche Herausforderung sehen Sie als nächstes? Wie sieht es in 30 Jahren auf den Feldern aus? Roboter? Drohnen? Gar keine Pflanzen mehr, nur noch Indoorfarming?

Buntz: In der Landwirtschaft allgemein oder bei uns im Betrieb?

Erstmal vor der Haustür angefangen.

Buntz: Klimawandel. Der wird uns alle betreffen. Wir hatten letztes Jahr relativ Glück, wir sind im Mittelgebirge, da hat s noch relativ viel geregnet. Andere Regionen in Deutschland haben da ganz andere Probleme.

Gäbert: Die Landschaften in Deutschland, auch innerhalb von Brandenburg sind so unterschiedlich: Wir wirtschaften auf einer Grundmoräne, flache, sandige Böden, wir haben maximal 30 cm Ackerkrume, während es im Oderbruch eher Auenböden oder Tonböden sind. Wir müssen Konzepte entwickeln, die eine nachhaltige Landwirtschaft und vor allem eine nachhaltige Bodennutzung gewährleisten.

Für uns, für mich ist das große Stichwort, die Ackerkrume zu vergrößern: das bedeutet tieferwurzelnde Pflanzen, Humusanreicherung und ein größeres Wasserspeichervermögen. Auch in der nationalen Ackerbaustrategie spielt Humus oder eben der organische Kohlenstoff eine zentrale Rolle. Ebenfalls wichtig ist die Reduktion von Winderosion. In Oderbruch und Uckermark stehen wieder ganz andere Dinge im Vordergrund.

Und was die technische Entwicklung angeht: Wir nutzen beispielsweise Drohnen erstmal  zur Wildschadensermittlung und ähnlichem. Aber wir werden Drohnen zukünftig vermehrt einsetzen, um die Flächenheterogenität besser in den Griff zu bekommen. Genau vor diesem Hintergrund setzen wir Schlepper ein, die bereits teilautonom fahren – aber eben immer unter der fachlichen Kontrolle eines gut geschulten Kollegen. Darauf werden wir so schnell nicht verzichten. Wo wir in 30 Jahren stehen, ob wir dann vielleicht gerade den letzten Kollegen in die Rente geschickt haben, das wird sich zeigen.

Und globaler gedacht?

Buntz: Weltweit betrachtet: Wir machen viel in Deutschland für den Klimaschutz und in der Landwirtschaft, wollen uns Richtung Ökolandbau bewegen, aber weltweit ist das noch nicht angekommen. Letztendlich leben wir auf einem Planeten, wir sollten zusammenarbeiten. Momentan wird mit der Politik, wie sie gerade in Amerika geführt wird, etwas erschwert und ich weiß nicht, wie die Asiaten weiterziehen. Es wäre wünschenswert, dass wir das gemeinsam anpacken.

Wir haben nur den einen Planeten, den wir bewahren sollten für unsere Kinder und Kindeskinder.

 

* Farm & Food traf Johanna Buntz und Dr. Thomas Gäbert anfang Juni auf einer Konferenz in Berlin.