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Ein besserer Weg, um Fleisch zu erzeugen?

Interview mit Didier Toubia, Aleph Farms

Es hört sich fast nach Science Fiction an: Ein Steak, das in der Petrischale außerhalb von Tieren gezüchtet wurde. Genau damit beschäftigt sich Aleph Farms, ein Startup aus Israel. Sie sind nicht die ersten, die Clean Meat außerhalb von Tieren gezüchtet haben, aber Aleph Farms verwenden eine neue Technologie, die die Produktionskosten drastisch senken könnte. Didier Toubia, CEO von Aleph Farms, spricht auf der Farm & Food 4.0 Konferenz in Berlin am 21. Januar 2019. Wir haben ihn zur Technologie von Aleph Farms und den nächsten Schritten zur Marktreife befragt. 

Didier Touiba, was genau ist Clean Meat und was unterscheidet Ihr Produkt von anderen auf dem Markt?

Didier Toubia: “Clean Meat beruht auf der Konzept, dass Gewebe ständig in Kühnen, Hühnen oder Fischen nachwächst. Es gibt einen Mechanismus, der abgestorbenes Gewebe ersetzt - hierfür sind bestimmte Zellen verantwortlich. Wir wissen, wie man diese Zellen isolieren und optimale Bedingungen außerhalb von Tieren erzeugen kann, so dass diese Zellen wachsen und sich unter kontrollierten Bedingungen zu Muskelgewebe zusammenfügen können. Wir ahmen ein natürliches Phänomen nach, das ohnehin in der Kuh auftaucht - allerdings außerhalb des Tieres unter kontrollierten Bedingungen. Die Plattform Aleph Farms unterscheidet sich von anderen Plattformen durch die Zuammenarbeit mit Technion, einem Forschungsinstitut im Norden von Israel. Wir haben die Rechte an einer dreidimensionalen Gewebe-Produktions-Technologie erworben, die ursprünglich für humanmedizinische Anwendungen entwickelt wurde. Damit können komplexe Gewebestrukturen erzeugt werden, indem mehrere Zellarten zusammenwachsen und Strukturen bilden, die dem Original ähneln. Mit dieser Technologie können wir Fleisch mit der gleichen Konsistenz, Struktur und Haptik wie konventionelles Fleisch erzeugen.”

Wann werden Ihre Produkte die Marktreife erreichen und was werden Verbraucher für Clean Meat bezahlen müssen?

“Aleph Farms hat einige frühe Prototypen entwickelt, Fleischstücke, die sich gut als F&E-Prototypen eignen. Wir haben gezeigt, dass wir Kulturen erzeugen können und bis zu 3 verschiedenen Zelltypen in dreidimensionalen Strukturen in der gleichen Konsistenz wie ein Steak zusammenfügen können. Es wird mindestens zwei weitere Jahre dauern, um die Forschung abzuschließen, ein erstes Produkt zu entwickeln und vielleicht 1-2 weitere Jahre, um die Produktion anlaufen zu lassen. Anfangs wird Clean Meat teurer sein als konventionelles Fleisch. Die Kosten werden aber mit wachsender Produktion schnell sinken. Wenn die Menge steigt, sinken die Kosten exponentiell. Wir schätzen, dass innerhalb von 3-5 Jahren ab dem Produktlaunch die Kosten sinken und unter den Kosten herkömmlicher Fleischerzeugung liegen werden. Das liegt daran, dass der Prozess effizienter wird, was Ressourcen und Zeit angeht. Außerdem hat das Endprodukt keinerlei Fertigungsausschüsse.” 

Wird Fleisch aus der Petrischale herkömmlich erzeugtes Fleisch ersetzen oder wird es eher ein zusätzliches Angebot für Verbraucher sein?

“Wir glauben, dass Clean Meat eine neue Kategorie an Fleischerzeugnissen in der Industrie begründet und kein Ersatz für konventionelles Fleisch ist. Wir glauben nicht, dass es auf Augenhöhe mit landwirtschaftlich erzeugtem Fleisch konkurriert. Es sollte vielmehr als eigenständiges Produkt mit eigenen Eigenschaften positioniert werden, was es für manche Konsumenten attraktiv machen wird.” Was sind die Konsum-Treiber für künstlich erzeugtes Fleisch? “Auf der einen Seite kann man das Nährstoffprofil dieser Art Fleisch beeinflussen. Heute ist die größte Motivation für Konsumenten, den Fleischverbrauch zu reduzieren, die Annahme, dass Fleisch vielleicht nicht so gesund ist wie die Alternativen. Zum anderen fokussieren wir uns komplett auf Ernährungssicherheit, die Vermeidung von Verunreinigungen und uneingeschränkte Nachverfolgbarkeit.”

Wie wichtig ist die Farm & Food 4.0 Konferenz für Sie und was erwarten Sie von Ihrer Teilnahme?

“Die Farm & Food 4.0 ist wichtig für uns, denn sie bietet die Möglichkeit, mit Landwirten auf der einen Seite und anderen Ernährungstechnologien auf der anderen Seite in Kontakt zu kommen. Wir glauben, dass Clean Meat ein neuer Weg ist, um tierische Erzeugnisse zu positionieren. Zell-basierte Landwirtschaft ist Teil der Landwirtschafts-Industrie. Wir glauben, dass es einen besseren Weg gibt, Fleisch zu erzeugen - Landwirte sollten sich hiermit beschäftigen. Landwirte haben immer schon die Chancen neuer Technologien ergriffen, um Produktionsprozesse und Endprodukte zu verbessern. Die Konferenz bietet uns die Möglichkeit, unser Netzwerk auszubauen und Kontakte zu Landwirten zu knüpfen.” Didier Toubia ist ein Vordenker der Branche - treffen Sie ihn auf der Farm & Food 4.0 in Berlin. Hier finden Sie alles, was Sie über die Veranstaltung wissen müssen.