Farm & Food 4.0
International Congress Berlin
Farm & Food 4.0

07. Januar 2020

Ich glaube fest daran, dass Direktsaat- und regenerative Systeme den höchsten Gewinn bringen werden.

Interview mit Joe Bassett, Dawn Equipment

Mit Landwirten ständig über Umweltschutz zu diskutieren, hält der Geschäftsführer und Gründer von Dawn Equipment für nicht zielführend. Stattdessen sollten wir Wege finden, neue Methoden und neue Technik für Landwirte wirklich profitabel zu gestalten. Er setzt deswegen auf Direktsaat-Technologien.

Von Sarah Liebigt

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Farm & Food: Wie sieht die Zukunft der Landwirtschaft aus? Im best-case Szenario.

Joe Bassett: Ich schätze, die Zukunft der Landwirtschaft, die ich will, im Vergleich zur Zukunft der Landwirtschaft, die wir meiner Meinung nach bekommen werden, sind zwei sehr unterschiedliche Versionen. Der Hauptgrund dafür ist, dass es eine mangelnde Übereinstimmung zwischen den Zielen der Landwirte, den Zielen der Verbraucher und den Zielen von Wasser und Boden gibt. Wir haben heute eine Welt, in der den Landwirten immer mehr Technologie verkauft wird. Jeder neue Trend verspricht, ein bisschen mehr zu bieten. Das ist weitgehend Zeitverschwendung. Es handelt sich um ein ganzes System, das vor allem darauf ausgerichtet ist, den Shareholder Value zu steigern.
Das ist in Ordnung, Geld zu verdienen ist großartig. Ich denke jedoch, dass es möglich ist, ein Agrarsystem zu gestalten, das für alle profitabel und für die Landwirte wesentlich profitabler ist – und gleichzeitig positive Auswirkungen auf die Umwelt hat.

Die Zukunft der Landwirtschaft wäre für mich eine Mischung aus moderner und antiker Technologie. Wenn wir in einer Weise produzieren, die in größerer Synergie mit dem Boden steht, die den Chemikalieneinsatz vollständig reduziert und für die Landwirte rentabel ist. Zwischen der digitalen und der biologischen Welt kann ein Gleichgewicht bestehen. Es ist langweilig, High-Tech-Produkte herzustellen, nur um High-Tech-Produkte herzustellen. Ich bin inspiriert, sehr intelligente, aber sehr einfache Produkte herzustellen. Die Intention des Designs besteht darin, wie sich das Produkt mit den Pflanzen, dem Boden, verbindet: Die Innovation an dieser Schnittstelle zu schaffen, ist wichtig.

Was können Unternehmen wie Ihres tun, um die Wertschöpfung in den Betrieben/für die Landwirte zu verbessern?

Es gibt zwei Marken in unserem Portfolio, Dawn Equipment und Underground Agriculture. Dawn Equipment ist weitgehend eine Zukunftsvision, die der Status quo ist, d.h. verstärkte Automatisierung, Digitalisierung und Maschinensteuerung. – Ich arbeite in einem Umfeld, in dem wir immer mehr Produkte an die Bauern verkaufen, aber die Bauern verdienen nicht immer mehr Geld. Unsere Aufgabe als Technologen und Produktdesigner in der Landwirtschaft ist es, unsere Kunden zu bedienen. Man kann nicht im Vakuum entwerfen; wir müssen entwerfen, um jemandem zu dienen.

Können Sie uns ein Beispiel nennen?

Vor etwa fünf Jahren haben wir uns für Zwischenfrüchte interessiert und was damals nachhaltige Landwirtschaft war, läuft heute unter dem Schlagwort der regenerativen Landwirtschaft. Aber ich komme nicht unbedingt aus ökologischer Sicht darauf zu sprechen. Unsere derzeitige Strategie, wie wir das kurzfristig erreichen können, besteht in der Verwendung von Bio-Sojabohnen. Wir haben gezeigt, dass dies möglich ist: Du pflanzt eine dichte Pflanzendecke, um dann die Sojabohnen direkt dazwischen zu pflanzen und dann keine andere Unkrautbekämpfung durchzuführen. Auf diese Weise baust Du Bio-Sojabohnen an, für die Du den doppelten Marktwert bekommst. Nur zwei Durchgänge über das Feld sind nötig, vielleicht drei, aber Du hast keine anderen Kosten für das Produkt als die Kosten für die Aussaat der Deckelfrucht.

Warum investieren Sie in und entwickeln Direktsaat-Technologien?

Aus amerikanischer Sicht haben Naturschutzbauern versucht, die Landwirte zu zwingen, ihre Praktiken hundert Jahre lang zu ändern. Das war größtenteils nicht zielführend. Der Grund ist einfach: Landwirtschaft ist ein Geschäft. Landwirte werden sich natürlich für das interessieren, was mehr Geld verdient. Deshalb müssen wir meiner Meinung nach die Klappe halten, nicht über die Umwelt reden sondern stattdessen über Möglichkeiten, wie wir viel mehr Geld verdienen können. Ich glaube fest daran, dass Direktsaat- und regenerative Systeme die Systeme mit dem höchsten Gewinn sein werden.

Exportieren Sie Ihre Technologie bereits? Wenn ja: Wer ist Ihr größter Kunde?

Wir sind in Frankreich und der Ukraine vernetzt. Wir beginnen, uns mit Brasilien zu befassen –  aber auf Ihre Frage: Ich habe das Gefühl, dass Deutschland ein starker Ort für uns wäre. Ich denke, dass das deutsche politische Klima empfänglicher für einige dieser radikal unterschiedlichen Methoden sein wird.

Welche Erwartungen haben Sie an die Teilnahme an der kommenden Farm and Food?

Ich möchte mich mit Menschen vernetzen, die daran interessiert sind, Innovationen an der Schnittstelle von Landwirtschaft und Umwelt zu fördern. Ich würde auch gerne sehen, ob die Gelegenheit besteht, einen Investor zu treffen, der Underground Agriculture nach Deutschland bringt.

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