20. Januar 2020
International Congress Berlin
Farm & Food 4.0

19. Juni 2019

Interview mit Patrick Walsh

Europa muss größer denken, sagt der Gründer und MD der Dogpatch Labs

Von Sarah Liebigt

Wie kann Europa von Innovationen im Bereich Agtech profitieren und wie kann die Industrie die Landwirte dabei unterstützen, die richtige Lösung für ihre Felder und Ställe zu finden? Dopatch Lab-Gründer Patrick Walsh ist überzeugt, dass Europa größer denken muss, um weltweit führend zu sein.

Farm & Food: Wenn Sie die Herausforderungen auf europäischen Feldern gegenüber Afrika/Israelisch/Asien betrachten – gibt es nationale/kontinentale Unterschiede?
Patrick Walsh: Die Landwirtschaft und ihre Betriebe sind sehr unterschiedlich, je nachdem, wo man sich auf der Welt befindet. Die durchschnittliche Herdengröße in Indien liegt beispielsweise bei drei Kühen, in Irland etwa bei 200 und in den USA gibt es Mega-Milchviehbetriebe. Einige der Agtech-Lösungen, die wir gesehen haben, sind großartig darin, Probleme auf dem indischen Markt zu lösen, aber dieselbe Lösung wird in Europa oder dem nordamerikanischen Markt einfach nicht funktionieren.

In diesem Jahr haben wir viele Start-ups aus Europa, einige aus Nordamerika, im Vorjahr hatten wir einige aus Indonesien und Asien. Ich denke, die Frage ist, wo ihr Fokus liegt. Europäische Start-ups konzentrieren sich hauptsächlich auf die Durchführung von Tests in ganz Europa. Üblicherweise läuft das so: Start-ups beweisen sich in ihrer Region, und dann beginnen sie, sich mit größeren Märkten wie den USA zu befassen. Wenn sie eine bestimmte Art von Technologie wie CRISPR haben, können sie sich entscheiden, zuerst an Orte wie China zu gehen, weil sich die Vorschriften schneller ändern können.

Was macht Dogpatch, um interessante Märkte zu finden und (weltweit) zu erschließen?
Dogpatch untersucht kontinuierlich verschiedene Start-ups und Märkte im Bereich Agtech. Der Fehler, den einige Unternehmen machen, ist, dass sie eine Webseite erstellen und eine Pressemitteilung rausschicken, und dann denken sie, dass alle Start-ups zu ihnen kommen. Aber eigentlich müssen die Unternehmen sich dessen bewusst sein, in welchem Bereich sie aktiv sind und dann nach Start-ups in diesem Bereich suchen: Sie ansprechen, einen Dialog beginnen und von dort aus weitermachen. Deshalb betrachten wir ständig verschiedene Ökosysteme, von Neuseeland bis Peking, von San Francisco bis Europa.

Einige Unternehmen, Investoren und selbst Politiker sagen, dass es in Europa kein Wachstum gibt, der Markt stagniert: Agtech muss sich hier sowieso entwickeln. Wie kann man also Europa für Investoren attraktiv machen?
Bestimmte Länder in Europa beginnen, wirklich in die Agtech-Infrastruktur zu investieren. Man braucht landwirtschaftliche Forschungsbetriebe. Das Vereinigte Königreich hat unlängst 500 Millionen Pfund für eine Agtech-Initiative bereitgestellt. Das ist eine ernstzunehmende Investition. Zum Teil wird das natürlich vom Brexit angetrieben. Einheimische Unternehmen sollen gefördert und motiviert werden.

Meiner Meinung nach sollten sich die europäischen Länder fragen: “Sollen wir darüber nachdenken, größere Investitionen zu tätigen?” Zu oft denken europäische Unternehmen an fünf oder zehn Millionen Euro für Agtech. Während man eigentlich nur dann ein echter globaler Marktführer sein kann, wenn man viel größer denkt. Es wird interessant sein zu sehen, wer sich in Europa tatsächlich in diesem Maße engagiert.

In Deutschland ist beispielsweise der Ökolandbau ein Wachstumssektor, aber “traditionelle” Bauern sind nach wie vor die Mehrheit. Innovation und die Implementierung von Agtech ist aber nicht nur interessant für diejenigen, die neue Wege gehen. Wie kann man also Traditionalisten ansprechen? Wie kann man sie mit Start-ups verbinden?
Agtech kann für Landwirte verwirrend sein. Es gibt einfach so viele Lösungen da draußen. Wir haben etwa 150 verschiedene Apps für die Betriebsführung gezählt. Zum einen müssen wir Wege finden, den Landwirten zu erklären, was die richtige Lösung ist und das ist ein Teil dessen, was der Pearse Lyons Accelerator tut. Oft stellen wir fest, dass die von Start-ups angebotene Technologie für die Landwirte unerschwinglich ist.  Wir müssen also sicherstellen, dass das für die Landwirte tatsächlich erschwinglich ist.

Ein Teil der diesjährigen Klasse sind Biome Maker, sie forschen auch bis auf die molekulare Ebene. Warum haben Sie sie für das Pearse Lyons Accelerator Programm ausgewählt?
Biome Maker hat festgestellt, dass sich DNA-Sequenzierung, die Fähigkeit von KIen, große Datensätze zu verarbeiten, rasant entwickelt und verbessert haben. Das Timing ist also wirklich gut für ihre Technologielösung.

Alltech verfügt über eine Crop-Science-Abteilung. Deshalb wollen sie mit einem der innovativsten Crop-Science-Unternehmen zusammenarbeiten. Wir mögen die Gründer, wir mögen die Mission, wir denken, dass es dort ein riesiges Potenzial gibt. Alltech betreibt derzeit Pilotprojekte in Spanien und in Brasilien: Ihre Untersuchungsergebnisse können sie mit einigen der Produkte von Alltech abgleichen. Auf diese Weise werden sie zu einem Verkaufsförderer.

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