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20. Februar 2019

Digital Agriculture: Diskussion auf dem Holzweg?

Farm & Food 2019 Session Rückblick

Wer über die digitale Zukunft des Agrar- und Foodbereiches sprechen möchte, kommt  nicht umhin eine Bestandsaufnahme zu machen: Was ist der tatsächliche Mehrwert der digitalen Landwirtschaft? Welche Versprechen haben sich erfüllt? Vor welchen Herausfordrungen stehen wir künftig? Diese und andere Fragen diskutierten unsere Experten in der ersten Session der diesjährigen Farm & Food 4.0.

Diskussion auf dem Holzweg?

Glyphosat, Tierwohl, Feinstaub, Ökologisierung der Landwirtschaft sind Themen, die uns heute bewegen. Wir müssen uns damit auseinandersetzen, aber “w­ir sind auf dem Holzweg” sagte Michael Horsch, Gründer und Geschäftsführer des Landmaschinenherstellers HORSCH Maschinen. In seinem Eröffnungsstatement ging er auf die konkreten Anforderungen an moderne Landwirtschaft ein. „Wir werden älter, aber nicht gesünder.“ Weil wir uns falsch ernähren, so Horsch. Fleisch, Milch und Zucker machen uns zunehmend ungesund. Die Digitalisierung kann helfen, den gesunden Menschen in den Mittelpunkt der zukünftigen Produktion von Lebensmitteln zu stellen. Die Ansprüche an zukünftige Landwirtschaft werden andere sein müssen, wenn der Mensch gesünder sein soll: Horsch plädierte für weniger Fleischkonsum und einen höheren Anteil pflanzlicher Nahrung.

Digital Agriculture – Hype vs. Reality

In einer Diskussionsrunde sprachen Georg Mayerhofer, Landwirt des Jahres 2017, Maximilian von Löbbecke von 365FarmNet, Dr. Martin Kunisch vom KTBL, Jonathan Bernwieser, Gründer und Geschäftsführer vom Start-up Agrando, und Michael Horsch über Nutzen, Probleme und Möglichkeiten der digitalen Landwirtschaft.

Dem großen Hype der letzten Jahre scheint eine gewisse Ernüchterung zu folgen. Die einfachen Antworten, die jeder erwartet, gibt es bisher nicht. Insbesondere in den USA werden die digitalen Anwendungen aus dem Silicon Valley von den Farmern nicht so angenommen wie gedacht. Für von Löbbecke steht die Effizienzsteigerung beim Precision Farming im Vordergrund. Praktisch bedeutet das für ihn, dass der Landwirt statt aktuell 70 Prozent seiner Zeit mit Büroarbeit wieder 70 Prozent seiner Zeit im Stall oder auf dem Acker verbringt.

Laut Dr. Kunisch sollte die Digitalisierung nicht nur eine effektivere, kostengünstigere Landwirtschaft ermöglichen, sondern sie auch qualitativ besser und nachhaltiger machen, und das müsse honoriert werden.

Landwirt Meyerhofer wünscht sich eine bessere Kompatibilität zwischen den verschiedenen Farmmanagement – und Agrarsoftware-Plattformen.

Auch für Bernwieser bedeutet Effizienzsteigerung in der Landwirtschaft, dass die Landwirte ihre Zeit besser nutzen und nicht in uneffektive Zettelwirtschaft stecken. Dazu gehört, dass die Entscheidungen mit den richtigen digitalen Informationen untermauert und dass sich wiederholende Prozesse automatisiert werden.

Was bringt Precision Farming?

Horsch hob hervor, dass die Digitalisierung in der Tierproduktion sehr wohl sehr viel gebracht hat.  Sinn macht Digitalisierung, also das Erfassen und Speichern von Daten, seiner Meinung nach bei der Dokumentation bzw. der Transparenz und der 100-prozentigen Rückverfolgbarkeit der landwirtschaftlichen Produktion. Darin sieht er die Zukunft.

Auf die Frage, wo Deutschland hinsichtlich der Digitalisierung im Vergleich zu Amerika steht, antwortete von Löbbecke, dass die meisten Unternehmen, insbesondere Start-ups aktuell keinen Mehrwert generieren. Womit in Zukunft Mehrwert generiert werden könne bzw. welche Visionen es in diesem Bereich gebe, wollte eine Zuhörerin wissen. Laut Horsch sind das Produkte bzw. Anbauverfahren, mit denen sich der Landwirt abgrenzen kann und die vom Verbraucher nachgefragt werden wie zum Beispiel Ökolandbau oder regionale Erzeugung. In diesem Zusammenhang nannte er auch den neuen Begriff Hybridlandwirtschaft, eine Landwirtschaft, die die Vorteile der konventionellen und ökologischen Landwirtschaft in sich kombiniert.

Laut von Löbbecke können massentaugliche digitale Anwendungen so manches Problem lösen: „Wenn der Landwirt eine Applikationskarte zum Säen, Düngen oder für Pflanzenschutzanwendungen mit vier Klicks in 20 Sekunden erstellen kann, dann ist der Mehrwert da.“

Problem Schnittstellen und Kompatibilität

Ein Landwirt aus dem Publikum brachte am Ende der Diskussion die Probleme auf den Punkt: „Das größte Problem in der Digitalisierung der Landwirtschaft sind die Schnittstellen. Wir haben zum Beispiel 16 Bundesländer und damit 16 verschiedene Systeme, um den Agrarantrag zu stellen. Das Regelwerk, nach dem die Landwirte Pflanzenschutzmittel ausbringen dürfen, ist nach wie vor nicht digitalisiert. Der Standard ISOBUS ist mittlerweile 20 Jahre alt, die meisten Maschinen werden immer noch ohne verkauft und neueste Maschinen aus den USA erfassen schon so viele Informationen pro Reihe, dass der ISOBUS sie nicht verarbeiten kann.”

Eine Beraterin hatte den Eindruck, dass die öffentliche Debatte die Landwirte links überholt. Ihre landwirtschaftlichen Kunden hätten teilweise gar keinen Computer, sondern nur Stift und Zettel. /dbv

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