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Farm & Food 4.0
Credits: you x ventures/unsplash

16. Juli 2020

Wissenstransfer zwischen Acker und Hörsaal

Farm & Food kooperiert mit dem Campus Soest

Nachdem der Ideenwettbewerb Bodenschmiede erfolgreich beendet ist, arbeitet Farm & Food weiter daran, ihr Netzwerk auszuweiten: Um den eingereichten Ideen sowie dem eigenen Anspruch gerecht zu werden, einen steten Wissenstransfer zwischen den Stakeholdern der Kette von Farm to Fork zu ermöglichen. Mit dem Campus Soest der FH Südwestfalen arbeitet Farm & Food nun im Rahmen eines Forschungsprojektes zu Start-Ups in der Landwirtschaft zusammen. 

 Von Sarah Liebigt

Im Fokus der Arbeit von Farm & Food steht (neben der Veranstaltungsorganisation) der Wissenstransfer: Vom Acker in den Hörsaal, vom Hörsaal ins Start-Up-Büro, von dort auf den Acker – und andersherum. Dafür hat Farm & Food ein Netzwerk aufgebaut, aus welchem heraus von April bis Juni 2020 der Ideenwettbewerb Bodenschmiede organisiert wurde. In Kooperation mit der Hochschule Weihenstephan Triesdorf und HORSCH Maschinen suchten wir nach neuen Ideen und Projekten für Ackerbau der Zukunft. Angesprochen waren Landwirte, Start-Ups und vor allem Hochschulen, vorrangig im deutschsprachigen Europa.

„Mit der Bodenschmiede wollen wir die Visionen von Studenten, Start-Ups und Landwirten Wirklichkeit werden lassen“, sagt Matthias Lech, Project Lead von Farm & Food. „Wir wollen gemeinsam mit starken Partnern Innovationen auf und in den Boden bringen. Die Bodenschmiede ist dafür die richtige Plattform.“ Deren auf Kooperation und  Wissenstransfer ausgerichtete Struktur entwickelt Farm & Food kontinuierlich weiter, um schließlich ein funktionierendes Ecosystem Agtech zu schaffen, das es allen Akteuren ermöglicht, bestmöglich ins Handeln zu kommen.

Dass die Fragestellung auch in medial überfüllten Zeiten interessiert, zeigte sowohl die Anzahl der Einsendungen zum Wettbewerb als auch die hohe Teilnehmerzahl am Bodenschmiede-Live Pitch im Juni. Daher freuen wir uns, aus der Bodenschmiede heraus eine neue Kooperation begründet zu haben: Mit dem Campus Soest der FH Südwestfahlen.

Matthias Lech: „Die Begleitung durch ein Forschungsprojekt und die Kooperation mit Soest sind bestens geeignet, mit dem wissenschaftlichen Blick von außen die richtigen Fragen zu stellen.“ Wenn Forschungseinrichtungen ihr Wissen und Können zur Verfügung stellen, profitierten am Ende alle davon.

Die Agrarbranche lockt wie kaum eine andere junge Unternehmer und Entwickler an. Allerdings macht der Fördermangel in Deutschland den Innovatoren das Leben schwer. Es fehlt an Kapital, Investoren, Partnerschaften und Netzwerken. In Deutschland fehle es an der Anschlussförderung für Start-Ups, sagt zum Beispiel Katrin Jakob, Gründerin der California Business Associations (CBA). Hiesige Unternehmen müssten zudem verstehen, dass der Finanzierungskreislauf einen Verkauf eines Start-Ups vorsehe, nicht dessen Wachstum und langfristige Entwicklung durch die Gründer selbst.

Das Ecosystem Agtech bedarf der Förderung – und ständigen Evaluation, wenn es hierzulande erfolgreich weiterentwickelt werden soll. Farm & Food organisierte dazu bereits in der Vergangenheit Workshops und machte das Thema zum Schwerpunkt des diesjährigen Kongresses.

Symbiose von Industrie, Netzwerk und Forschung

Auch in Deutschland bestehe die Start-Up-Landschaft bereits aus einigen dicht besetzten Inseln, die kaum mehr Platz für Neulinge böten und mit hohen Leuchttürmen alle Aufmerksamkeit auf sich lenkten – nicht immer begründet. So beschreibt Lech die Start-Up-Szene im AgriFood-Business. „Ich bin daher sehr zufrieden und optimistisch, dass wir mit Farm & Food als Innovators Network hier im Sinne des Wissenstransfer wirken und die Landschaft bereichern können.“

Eine solche Symbiose aus Industrie, Netzwerk und Forschung gebe es bisher nicht, konstatiert Lech. „Man darf gespannt sein, wie es weiter geht. Das ist erst der Auftakt.“

„Gerade im Agrarbereich sehen wir ein enormes Handlungspotenzial, welches u.a. durch Start-Ups ausgeschöpft werden kann“, sagt Sibylle Gerlach. Gerlach promoviert an der FH Südwestfalen in Soest im Fachbereich Agrarwirtschaft unter der Betreuung von Herrn Professor Dr. Jan-Henning Feil. In diesem organisiert und betreut das Forschungsprojekt mit dem Ziel, Erfolgsfaktoren für Start-Ups in der Agrarbranche zu identifizieren.

„Die Landwirtschaft und die zugehörigen Bereiche sehen sich schon seit einiger Zeit enormen Herausforderungen gegenüber: Klimawandel, gesellschaftliche Akzeptanz, zunehmende Weltbevölkerung, Umweltschutz – um nur einige auf globaler und nationaler Ebene zu nennen.“

„Um diesen Herausforderungen zu begegnen, braucht es, so ist unsere Überzeugung, neue Ideen, die dann in unternehmerische Aktivität umgesetzt werden müssen. Da sind Start-Ups die besten Ansprechpartner, weil sie oft querdenken und das Bestehende stärker hinterfragen, als das etablierte Unternehmen in der Regel tun.“

Das Forschungsprojekt rückt verschiedene Fragen in den Fokus:

Was braucht es, um ein erfolgreiches Start-Up zu sein? Wie müssen die Rahmenbedingungen aussehen? Können Politik, Hochschulen, Verbände usw. die Rahmenbedingungen dazu schaffen, dass ein Start-Up erfolgreich ist und somit den Verlauf eines Jungunternehmens beeinflussen?

Start-Ups und die Start-Up-Landschaft sind in diesem Ausmaß eine verhältnismäßig junge „Branche“. Sie zum Forschungsgegenstand zu machen, ist daher nicht unbedingt naheliegend. Zuerst einmal sei das Thema gerade unglaublich präsent, sagt Gerlach. „Die Fachzeitschriften berichten darüber, die landwirtschaftlichen Verbände und Gruppierungen fangen an, sich für Start-Ups einzusetzen.“ Trotzdem merke man, dass gerade der Agrarbereich noch ganz am Anfang stehe und hinter anderen Wirtschaftsbereichen hinterherhinke. „Um zukunftsfähig zu bleiben, ist es wichtig, dass die Agrarbranche sich in einen Transformationsprozess begibt.“

Forschung soll Weg bereiten für Inkubatorprogramm

„Wir denken aber, dass es gerade für eine traditionelle Branche wie die Landwirtschaft besonders wichtig ist, die Start-Up-Landschaft zu fördern und das Gründungsgeschehen voranzutreiben. Deswegen sehen wir hier großes Forschungspotenzial.“

Damit ist sie nicht allein. Der Bundesverband Deutsche Start-Ups hat speziell für dieses Themenfeld die Plattform AgTech ins Leben gerufen. „Wir (haben damit) die Möglichkeit, die spezifischen Interessen und Themen der jungen AgTech-Branche zu bündeln und gegenüber der Politik, der Öffentlichkeit und Vertretern der etablierten Landwirtschaftsbranche zu kommunizieren“, sagt Plattformsprecherin Dr. Julia Rosendahl. Die Plattform biete Start-Ups zudem die Möglichkeit zum Austausch und Vernetzung untereinander.

Abhängig vom Verlauf der Untersuchung will Gerlach konkrete Faktoren identifizieren, die erfolgreiche Start-Ups von den weniger erfolgreichen Start-Ups unterscheiden. „Insgesamt sind das Punkte, die für einen Accelerator oder Incubator sehr interessant sind“, sagt Sybille Gerlach. 

Die aufbereiteten Ergebnisse sollen zudem in das Lehrangebot an der FH Soest integriert werden. Studierende und potenzielle Start-Up-Gründer aus der Agrarbranche sollen so zum einen das Thema Start-Ups überhaupt kennenlernen und zum anderen erfahren, was die wichtigen Faktoren bei einer Gründung sind und worauf ganz besonders zu achten ist. „Damit ist noch kein Accelerator oder Incubator gegründet, aber es ist zumindest ein Schritt in diese Richtung“, sagt Gerlach abschließend.

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