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03. Januar 2021

EU Agrarbericht 2020

Was sind die Zukunftsszenarien der Europäischen Agrarbranche zwischen 2020 und 2030?

Die Europäische Kommission veröffentlichte am 16. Dezember den „European Union agricultural outlook for 2020-30”-Agrarbericht und stellt darin verschiedene Zukunftsszenarien der Landwirtschaft auf. Dieser Beitrag fasst die Highlights der Prognosen für die kommenden Jahre zusammen und gibt einen Überblick über die Trends, die sich vor allem im letzten Jahr herausgebildet haben.

Von Laura von Ketteler

In den nächsten zehn Jahren wird die Digitalisierung für den Ackerbausektor von zentraler Bedeutung sein und Ertragssteigerungen, verbesserte Arbeitsbedingungen sowie höhere Umweltstandards unterstützen. Die Sektoren Milch, Milchprodukte und Fleisch werden durch mehr Nachhaltigkeit geprägt sein, wobei Veränderungen entlang der Lebensmittelkette erwartet werden. Das steigende Gesundheitsbewusstsein der Verbraucher wird dem Obst- und Gemüsesektor zugutekommen und zu einer erhöhten Nachfrage führen.

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Im Jahr 2020 stand der Agrarsektor aufgrund der Covid-19-Krise und ihrer Folgen vor zahlreichen Herausforderungen. Von logistischen Problemen über einen Mangel an Arbeitskräften bis hin zu radikalen Veränderungen in der Nachfrage stellte der Sektor jedoch seine Widerstandsfähigkeit unter Beweis, indem er sich mit Unterstützung der EU schnell an die Herausforderungen anpasste. Die Krise hat vor allem zur Verstärkung einiger bereits bestehender Trends geführt, mit einem Anstieg der Nachfrage nach lokal produzierten Lebensmitteln, kurzen Lieferketten und E-Commerce-Verkäufen. Darüber hinaus ergab der Bericht, dass gesundheitliche Bedenken, die Herkunft, die Umwelt und der Klimawandel zu den wichtigsten Treibern der Verbraucherentscheidungen gehören.

Der EU-Agrarbericht beschreibt verschiedene Szenarien, darunter eine langsame Erholung und eine grüne Erholung vom Jahr 2020. In beiden Szenarien führen die Veränderungen in Angebot und Nachfrage zu niedrigeren Fleisch- und Getreidepreisen, während die Preise für Butter, Käse und Geflügel weniger betroffen sind. Im Allgemeinen werden die Auswirkungen auf den Markt hauptsächlich durch den makroökonomischen Schock bestimmt, insbesondere durch die BIP-Schrumpfung im Jahr 2020. Allgemein wird Covid-19 wahrscheinlich langanhaltende Folgen für die Agrarmärkte haben, aber das Ausmaß der Auswirkungen wird von den wirtschaftlichen Erholungspfaden und dem spezifischen Markt abhängen.

Der diesjährige EU Agrarbericht enthält beispielsweise ein Szenario, in dem die Insektenzucht zur Reduzierung von Lebensmittelabfällen eingesetzt würde, indem diese an Insekten verfüttert werden. Deren Larven würden als Aquakultur-Futtermittel verwendet und das extrahierte Insektenöl in der Biodieselproduktion eingesetzt werden. In dem vorgestellten Szenario würde die globale Insektenzucht von 15 % im Jahr 2020 auf 50 % im Jahr 2030 steigen. Bis 2030 wird erwartet, dass die Insektenindustrie 23 Mio. Tonnen Proteinmehl und 2,5 % des weltweiten Ölverbrauchs produzieren wird. Nach der Betrachtung der Auswirkungen auf die Getreidemärkte kommt das Szenario zu dem Schluss, dass die Insektenzucht einen wichtigen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft leisten könnte, indem sie Nährstoffe aus Lebensmittelabfällen wieder in die Nahrungskette einbringt. Durch die Senkung der Futterkosten und die Unterstützung der Tierproduktion würde sie jedoch zu einem leichten Anstieg der Treibhausgasemissionen führen.

Der Bericht enthält auch Projektionen zum landwirtschaftlichen Einkommen und zur Arbeit für die Jahre 2020-2030. Es wird erwartet, dass das landwirtschaftliche Einkommen in der EU mit einem Wachstum der Produktion und der Preise steigen wird. Der Anstieg des Einkommens wird allerdings auf 1 % pro Jahr begrenzt sein.  Es wird erwartet, dass die Zahl der landwirtschaftlichen Arbeitskräfte aufgrund des technologischen Fortschritts von Maschinen und Geräten langsamer abnimmt, um 1 % pro Jahr.

In Bezug auf Umwelt- und Klimaaspekte liefert der Bericht Prognosen zu Umwelt- und Klimaindikatoren, wobei der Schwerpunkt auf den Treibhausgasemissionen (THG) und der CO2-Entfernung aus der Atmosphäre liegt. Die Projektionen für 2030 zeigen, dass die Treibhausgasemissionen unter den derzeitigen politischen Rahmenbedingungen jedoch weitgehend unverändert bleiben werden. Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass mit den richtigen landwirtschaftlichen Praktiken und Technologien die Emissionen von Tieren und Pflanzen weiter reduziert werden können, ebenso wie durch weitere Kohlenstoffbindung und die Vermeidung von Kohlenstoffverlusten. Letzteres fördert die Kommission mit ihrer GAP-Reform und den Green-Deal-Initiativen.

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