20. Januar 2020
International Congress Berlin
Farm & Food 4.0

21. August 2019

Interview mit Georg Meyerhofer

Landwirte brauchen eine PR-Strategie. Und  Umdenken in der Politik

Von Sarah Liebigt

Landwirte können von genossenschaftlichen Ansätzen und eigenständigen Marken profitieren, findet Georg Mayerhofer, ein innovativer Landwirt aus der Region Passau.

Farm & Food: Die Landwirtschaft steht häufig in der Kritik, wenn es um Umweltschutz, Biodiversität und Klimaschutz geht. Wie kann aus dem Problemverursacher der Problemlöser werden?

Georg Mayerhofer: Diese Frage ist ein klassisches Beispiel für das Auseinanderdriften von Gesellschaft und Landwirtschaft. Uns muss wieder klarwerden, dass es immer einen gewissen Eingriff in die Natur geben wird, wenn wir Nahrungsmittel erzeugen wollen. Das wird immer so bleiben. Und jetzt müssen wir versuchen, das gesellschaftlich miteinander weiter zu entwickeln: Auf der einen Seite den Eingriff in die Natur so gering wie möglich zu halten, d.h. zum Beispiel auch Einsparen von Dünger und Pflanzenschutzmitteln, und auf der anderen Seite den Menschen erklären, dass es immer einen Eingriff in die Natur geben wird. Die Landwirtschaft kann nicht nachhaltig produzieren ohne die Natur zu beeinflussen. Dazu gehört ein gesellschaftlicher Dialog, der das aufzeigt.

Regionalität ist ein solider Trend. Welche Konzepte/Projekte entwickelst du um als Betrieb um an dieser Wertschöpfung teilzunehmen?
Bei uns gibt es den Spruch „regional ist das neue Bio“. Ich versuche, mir regionale Märkte zu erarbeiten. Das ist nicht leicht, weil wir jahrzehntelang genau das Gegenteil gemacht haben. Wir haben immer auf hohe Mengen und Export gesetzt. Und jetzt ist es schwierig, die Märkte für die Landwirtschaft zurückzuerobern, weil’s auch Arbeit bedeutet.

Jeder Landwirt, der versucht, seinen eigenen Markt wiederaufzubauen, weiß, dass das viel Arbeit bedeutet, viel Kommunikation. Gerade wenn ich mich in einem Bereich spezialisiert habe, ist es nicht einfach, genau in dem Bereich erfolgreich zu sein. Auch kann nicht jeder Betrieb regional arbeiten. Aber gerade für kleinere Betriebe ist der regionale Markt interessant. Ich denke, hier liegt ein Teil der Zukunft der Landwirtschaft.

Welche Fehler macht die Landwirtschaft und wie gehst du damit um?
Die Landwirtschaft weigert sich manchmal, sich weiterzuentwickeln. Wir halten oftmals an dem fest, was momentan ist, ohne nach vorne zu schauen. Ich glaube es ist wichtig, dass die Bereitschaft, uns weiterzuentwickeln in die Landwirtschaft einzieht. Umweltschutz ist unsere Pflicht. Wir arbeiten, wir wirtschaften mit der Natur. Das ist was Gutes, und so muss man das auch belegen: positiv in die Zukunft schauen.

Welche Fehler macht die Politik?
Ich denke, die Landwirtschaft an sich ist zum großen Teil ein Politikum geworden. Leider. Die Politik steckt in einer Zwickmühle. Sie ist getrieben von Minderheiten, die Extremes fordern. Wir sehen das in Bayern beispielsweise mit dem Volksbegehren („Artenvielfalt – Rettet die Bienen“, a.d.R. ): Die Politik musste reagieren auf die gesellschaftlichen Herausforderungen.

Jetzt setzen wir Maßnahmen um und erkennen, dass sie nicht zum Markt passen und dass wir dadurch große Probleme kriegen können. Die Politik muss näher an die Landwirtschaft ran, um zu verstehen, wo genau die Probleme liegen und sie beim Schopf packen zu können.

Wie können Landwirte zukünftig Umweltschutz und Verbraucheransprüche besser in Einklang bringen und daraus Geschäftsmodelle entwickeln?

Auf der einen Seite müssen wir uns weiterentwickeln, aber wir müssen das auch zeigen und tun, und mit einer Marketing- und Absatzstrategie sicherstellen, dass der Verbraucher den Mehrwert unserer hochwertig und nachhaltig produzierten Lebensmittel erkennt. Und wir müssen die Bereitschaft dazu wecken, dass ihm das auch was wert ist.

Das Lebensmittelsystem hat die Bauern anonymisiert. Vertrauen in Produkte baut der Verbraucher über den Handel auf, der diese Nähe ausnutzt und ihm Marken mit bäuerlicher Idylle präsentiert. Dahinter stehen allerdings anonyme Produkte, austauschbare Verarbeiter und Erzeuger, die unter Preisdruck sind. Wie können wir Landwirte wieder ins Bewusstsein der Verbraucher holen?
Indem wir eigene Marken produzieren und das ist eine Frage von Kommunikation und Marketing. Im genossenschaftlichen System zum Beispiel liegen viele Chancen: Wenn Landwirte sich zusammentun, gemeinsam produzieren, eine eigene Marke gründen, das wäre interessant.

Weitergedacht: Wie können wir die Kosten der Lebensmittelproduktion besser in der Wertschöpfungskette verteilen?
Indem wir die Wertschöpfungskette kürzer halten. Wir (Landwirte) verlieren und der Handel profitiert.

Der Milchbauer in Brandenburg kauft  kein Soja mehr aus Brasilien sondern kooperiert direkt mit dem Landwirt drei Dörfer weiter: Er braucht keinen Mittelsmann mehr, stattdessen wird die Ware, in dem Fall Futtergetreide, direkt vom Produzenten zum Verbraucher verlagert. Kennst Du ähnliche („neue“) Wertschöpfungsnetzwerke?
Das Beispiel gefällt mir sehr gut. Indem sich die Landwirte untereinander vernetzen und der Handel ein Stück weit außen vor gelassen wird, bleibt mehr Wert bei den Landwirten. Es gibt ja auch andere Beispiele: Im vergangenen Jahr hat sich auf dem Farm & Food Kongress die Plattform Agrando vorgestellt. Die setzt genau dort an, Schnittpunkte zwischen den einzelnen Landwirten aufzuzeigen und sie zu vernetzen. So entsteht ein Mehrwert für die Landwirtschaft.

Das Beispiel Soja zeigt das wirklich gut. Wir machen das am Betrieb ebenfalls. Selbst die Wertschöpfungskette neu zu ordnen oder zu strukturieren birgt große Vorteile.

Das Leibniz-Zentrum für Landwirtschaft fordert eine Vision für die Landwirtschaft der Zukunft. Wie muss die deiner Meinung nach aussehen?
Das ist eine gute Frage. Ich kann nicht so weit in die Zukunft gucken. Ich stelle mich den aktuellen Herausforderungen und versuche, die Landwirtschaft in eine gute Zukunft zu entwickeln. Im Umweltschutz, in der Biodiversität, in der Ökologie wird es noch viele Möglichkeiten geben. Das bedeutet, dass Forschung und Landwirtschaft eng zusammenarbeiten sollten.  Was wir dafür ebenfalls brauchen ist offene Kommunikation, ein Dialog, um den Menschen diese Entwicklungen zu zeigen.

Wo wir am Ende hinkommen, spielt für mich keine große Rolle. Ich denke, es wird nie ein konkretes Ziel geben, sondern die Landwirtschaft wird sich im Wandel der Zeit ständig ändern, ständig verbessern und sich immer neuen Herausforderungen anpassen. Zum Beispiel den Herausforderungen des Klimawandels, die heute noch gar nicht abzusehen sind.

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