20. Januar 2020
International Congress Berlin
Farm & Food 4.0

29. November 2019

Interview mit Michael Horsch

Der gesunde Mensch steht im Vordergrund

“Was ich jetzt kommen sehe, stellt alles in den Schatten, was ich in 40 Jahren erlebt habe”: Der Gründer der Horsch Maschinen GmbH sieht vier große Herausforderungen – und Chancen – für die Landwirtschaft. Welche das sind, dazu gibt er Auskunft im Farm & Food 4.0 Interview

Von Sarah Liebigt

Treffen Sie Michael Horsch auf der kommenden Farm & Food in Berlin

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Farm & Food: Herr Horsch, vielen Dank für das Gespräch. Sie sind mit Ihrem Unternehmen seit über 30 Jahren im Geschäft. Mit welchen Gefühlen blicken Sie in die Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland?
Michael Horsch: Ich durfte natürlich viele Veränderungen in der Landwirtschaft und im Ackerbau nicht nur miterleben, sondern zum Teil auch mit unserem Unternehmen mitgestalten. Was ich jetzt kommen sehe, stellt alles in den Schatten, was ich in 40 Jahren erlebt habe an Chancen und Herausforderungen, die jetzt für die Landwirtschaft kommen.  

Auch große Firmen wie Horsch müssen sich Entwicklungen und Trends anpassen. Welche Trends setzt Horsch Maschinen selbst?
Da geht’s im Wesentlichen um vier Dinge. Das eine ist das Thema der gesunde Mensch steht im Vordergrund. Wir haben dazu beizutragen, den Menschen durch Ernährung gesünder zu machen. Das ist unsere erste Aufgabe. Zum zweiten müssen wir uns um das Klima kümmern. Wir können einen großen Beitrag leisten, zum Beispiel indem wir Kohlenstoff im Boden speichern, Co2 aus der Luft nehmen. Humus aufzubauen usw. Das dritte Thema ist Umwelt. Wir bauen Pflanzenschutzspritzen, wir sind in der konventionellen Landwirtschaft tätig, das heißt wir tragen dazu bei, dass man viel Chemie auf den Acker bringt. Das heißt, ich kann einen großen Einfluss darauf nehmen, dass man das effizient macht, stark reduzieren kann und dass man die Belastung für Boden, Pflanze und Nahrungsmittel stark beeinflussen kann.  

Das vierte Thema ist nicht die Digitalisierung, die ist eigentlich schon gelaufen. Wir reden heute von der digitalen Transformation. Das ist eine neue Ebene der Digitalisierung. Das bedeutet, dass man sich zunächst einen gigantischen Zugang zu Daten schafft. Für die Analyse und Nutzung dieser Daten müssen wir Systeme und Produkte entwickeln.

Was antworten Sie dem Landwirt, der Sie fragt, wie er diese Transformation am besten bewältigt?
Zuerst sage ich ihm, bleib da wo du bist. Wenn Du glaubst, dass du dich schon zu viel mit Digitalisierung beschäftigt hast, dann hast du vermutlich gemerkt, dass es dir nicht viel bringt. Ich würde dem Landwirt nicht sagen, dass er sich digital transformieren muss. Oberste Prämisse ist dagegen, zunächst die neuen Herausforderungen zu erkennen, die nichts mit der Digitalisierung zu tun haben.

Doch was sind konkrete Ansätze in der neuen digitalen Transformation? Ein ganz offensichtliches Thema ist die absolute Rückverfolgbarkeit. Der Verbraucher will zumindest wissen, dass er seine erworbenen Produkte zurückverfolgen kann.

Und umgekehrt kann diese Rückverfolgbarkeit der größte Wettbewerbsvorteil für uns Landwirte in Deutschland sein, wenn wir Nahrungsmittel nach bestimmten Kriterien produzieren: Gleiche Nahrungsmittel aus dem Ausland, die nicht nach diesen Kriterien produziert werden kann man gar nicht auseinanderhalten.

Was erwarten Sie von der Farm & Food? Wen wollen Sie treffen?
Das Schöne ist, das man querbeet alle trifft. Aus der Lebensmittelbranche, Kollegen aus der Landmaschinentechnik, Landwirte, NGOs. Das mag ich am allermeisten, ehrlich gesagt: die treffen, die uns ganz offen kritisieren, zum Teil zurecht. Ich habe auf der Farm & Food Kontakte geknüpft, die bis heute halten; wir stehen im offenen Dialog und das bringt beiden Seiten was.

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