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25. Mai 2020

Rettungsschirme fürs Klima

Climate-Engineering ist eine wirkungsvolle, aber kostenintensive Hoffnung für das Klima

Das Start-Up IrrigationNets will in der Wüste großflächig winddurchlässige, mit Salzwasser oder Meerwasser getränkte Kunststoffnetze spannen und so dem Klimawandel entgegenwirken, Felder bewässern und Solaranlagen kühlen. Beispielsweise für Regionen, in denen nur versalzenes Grundwasser verfügbar ist, ist diese Technik interessant. Gründer Volker Korrmann widmet sich in diesem Gastbeitrag der Frage, wie sich Climate-Engineering finanzieren lässt.

Von Volker Korrmann* und Sarah Liebigt

IrrigationNets ermöglicht Landwirten, die von Dürreperioden und anderen Auswirkungen des Klimawandels betroffen sind, ihr Produktionsniveau zu halten und dafür versalztes Grundwasser oder Meerwasser zu nutzen. Die eingesetzte Technologie fällt in die Kategorie Climate-Engineering: Meerwasser oder versalztes Grundwasser wird in nebliges Niesel-Süßwasser umgewandelt, das über eine große Fläche verteilt wird und dadurch die Pflanzen direkt mit einem konstanten Strom kühler Feuchtigkeit versorgt. Die Anlagen sollen ein- und ausgeschaltet werden können, um den Wasserbedarf der verschiedenen Kulturen zu decken.

Großkalibrige Anlagen wie diese sind ressourcenintensiv: Es braucht Zeit und vor allem Geld, um sie zu entwickeln, zu testen und für den Markteintritt aufzubereiten. Climate-Engineering ist sowohl massiver Eingriff ins Klima als auch möglicher Rettungsschirm für ebendieses. Um solchen umfassenden Projekten den Weg zu ebnen, braucht es allerdings Risikobereitschaft, Kapital und einen Richtungswechsel in der Debattenkultur.

Denn es ist gut, dass der Klimawandel öffentlich diskutiert und wahrgenommen wird. Allerdings gehen de Darstellung des Problems und die diskutierten Maßnahmen vollkommen am Problem vorbei.

Abbau von CO2 allein reicht nicht

Das belegen auch offizielle Zahlen. Laut des Portals Statista liegt der weltweite jährliche Ausstoß von CO2 bei 36,6 Milliarden Tonnen. Das Problem sind jedoch nicht die 36,6 Mrd. Tonnen, die jedes Jahr zusätzlich in der Atmosphäre abgeladen werden, sondern die laut Statista 1.200 Mrd. Tonnen CO2, die schon jetzt das Klima gekippt haben. Um den Klimawandel abzuschwächen müssen wir also mind. 100 Mrd. Tonnen CO2 jährlich netto abbauen.

Diskutiert werden sehr teure Maßnahmen, die gerade einmal dazu führen, das ein paar Millionen Tonnen weniger CO2 ausgestoßen werden. Mit diesen Sparmaßnahmen allein kann indes nichts mehr bewirkt werden.

Wir brauchen dringend Rettungsschirme der G8 Staaten in Höhe von mehreren Hundert Milliarden Euro, um Wälder auch in Wüsten aufzuforsten, Moore anzulegen, Riffe zu renaturieren und die vorhandenen Wälder zu schützen, denn nur natürliches exponentielles Wachstum kann etwas gegen den Klimawandel bewirken. Projekte, die in die noch relativ neue Kategorie Climate-Engineering fallen, müssen gefördert werden. Zukunftstaugliche Ideen sollten den Wettlauf von A- zu B-Runden nicht alleine meistern müssen.

Weiterhin benötigt unsere Zivilisation dringend neue innovative Geo-Technologien, die das Potential haben, mehrere Milliarden Tonnen CO2 abzubauen. Doch auch hier hapert es an der Finanzierung. Mit klassischen sicheren und zertifizierten Investitionen erreichen wir nichts. Es gibt sehr viele gute Ansätze, die jedoch schon mangels einer fehlenden Anfangsfinanzierung nicht vorankommen.

Hier können Privatleute schon mit 100 Euro Helfen und neue Ideen so weit anschieben, dass diese tauglich für eine Risikofinanzierung und weitere Förderungen werden. Nur mit solchen hoch Risiko Investitionen können Privatleute dabei helfen eine „Lawine“ anzuschieben, die dann auch global etwas bewirken kann.

 

*Volker Korrmann ist Gründer und CEO des Start-Ups IrrigationNets. Er ist Co-Autor dieses Textes und hat im April 2020 am Ideenwettbewerb Bodenschmiede teilgenommen.

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