Farm & Food 4.0
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15. Juni 2020

Ertragsbeteiligung für Landwirte

Der Bodenschmiedefinalist über das Warenkonzept Agro Lavendel

Das Warenkonzept der Fieldeye GmbH war eine von sieben eingereichten Ideen, die es ins Finale des Ideenwettbewerbs Bodenschmiede schafften. Das Konzept zur Ertragsbeteiligung integriert die Kosten der landwirtschaftlichen Produktion in die Wertschöpfungskette. Ziel ist, dass der Preis des produzierten Rohstoffes mit dem Preis des Endprodukts in einer vertraglich geregelten Relation steht.
Während des Live-Pitchs im Juni 2020 hatten Jury und Zuschauer Gelegenheit, den Finalisten Fragen zu stellen. Da längst nicht alle Nachfragen live beantwortet werden konnten, baten wir die Finalisten im Nachgang um weitere Informationen. Im Folgenden finden Sie das Pitchvideo sowie Sie die Antworten von Felix Rudolph.

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Bitte erläutern Sie nocheinmal das Konzept der Ertragsbeteiligung.

Wir bieten das Knowhow für Anbau, Kulturführung, Ernte und Destillation plus Verkauf des Produkts und eine Finanzierung an. Das erfolgt im Moment in Österreich auf einer Fläche von ca 100 ha, ist aber in 100 ha Schritten erweiterbar und auch in anderen Länder modifiziert anwendbar.
Der Rohstoff Lavendelöl hat einen Weltmarktpreis der die Basis für die Kalkulation darstellt – die Herausforderung ist nun, in den Detailhandel zu kommen und die Rendite zu erhöhen sowie den Verkauf von Hydrolat und semisterilem Lavendelstroh anzustoßen.

Wie können Betriebe sich beteiligen? An wen muss man sich wenden? Ist das Konzept regional begrenzt und welche minimale bzw. maximale Fläche braucht es für eine Umsetzung?

Interessierte können sich gern direkt an mich, Dr. Felix Rudolph, wenden.

Das vorgestellte Beteiligungsmodell kann in jeder Region, aber auch mit anderen Produkten, entwickelt werden. Das Model funktioniert so, dass Bauern Felder und Dienstleistungen einbringen und der Partner Knowhow und Vermarktung beisteuert. Die Entlohnung erfolgt über eine Umsatzbeteiligung aller.

Die Flächen sind vom Produkt und der Ernte- und Produktionsverfahren des Endproduktes abhängig. Im Schnitt sind es mindestens 100 ha aber auch größere Dimensionen sind realistisch.

Ist die Idee der Ertragsbeteiligung auf die gesamte Landwirtschaft umsetzbar? Sonderkulturen machen ja nur einen kleinen Teil aus.

Ein Beteiligungsmodell, worin der Landwirt in die Wertschöpfungkette tief eingebunden ist, geht mit fast jedem Produkt und nicht nur in Spezialkulturen. Dass es anfänglich mit Spezialkulturen möglicherweise leichter umzusetzen ist, ist durchaus vorstellbar. Aber mit Anstrengung und Engagement geht das auch mit anderen.

Herkunftsgarantien werden bisher von den Industrien gratis konsumiert. Biologischer Anbau, lokale oder regionale Wertigkeiten werden von der Industrie vereinnahmt, ohne dass der Produzent etwas davon hat.

Der Markt legt immer mehr Wert auf sichere Leistungen von definierten Produkten mit hoher Qualität.

Wie stark wirken klimatische Einflüsse und wie groß ist der Einfluss der Bodenbeschaffenheit auf den Ertrag?

Dieser Effekt ist immer gegeben und muss pro Produkt und Region einkalkuliert werden.

Für uns ist es wichtig, dass wir in unseren ersten Ansätzen High Value-Produkte mit wenig Kilogramm Ertrag aber hohem monetären Ertrag wählen und nicht Massenware – wo die Menge wichtig ist.

Ein Vergleich: Die Produktion von zehn Tonnen Körnermais ergeben ca. 1800 Euro Umsatz pro Hektar (Exkl. Saatgut , Dünger und chemischer Einsatz)

Ein Ertrag von 0.1t (100 kg) Lavendelöl pro Hektar ergibt 5000 Euro Umsatz ohne jährliche Saatgutkosten etc. Der Wasserbedarf ist gering, der Sonnenbedarf hoch.

Mit diesen beiden extremen Beispielen möchte ich die Chancen darstellen, dass es sich lohnt, weiter über den tatsächlich vermarktungsbereiten Wert nachzudenken. An diesem soll der Landwirt beteiligt werden.

                          
Sind die Landwirte/innen verpflichtet, die 10 bis 15 Jahre bei Ihnen zu bleiben?

Um das Finanzielle zu managen, sind die Bauern an die Laufzeit der Kultur gebunden damit die Investitionen abgezahlt werden können. Aber genau das ist die Gretchenfrage – der Landwirt will dann vorzeitig aussteigen, weil er sich nicht fair behandelt fühlt wie in vielen Vertragsanbauten bewiesen. Wenn er beteiligt ist wie in unserem Modell der profitorientierten Ertragsbeteiligung, stellt sich die Frage in diesem Ausmaß nicht.

Wenn der Landwirt merkt, dass er in einem Vertragsanbau ausgenutzt wird, möchte er mit recht aussteigen – genau das möchte ich mit unserer Vorgangsweise im Ansatz und auf Dauer verhindern.

Heutzutage arbeiten Rohstoffeinkäufer mit kurzfristiger Planung und sind nicht an einem Vertrag mit fixen Preis interessiert, da er alle vier Wochen immer wieder Landwirtschaft und Handel gegeneinander ausspielt. /sal

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