Farm & Food 4.0
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09. November 2020

Tu Gutes und sprich darüber

Landwirtschaft kommunizieren: Warum innovatives Denken und gute Kommunikation Eigenschaften eines jeden Landwirts werden müssen

Kaum einer Branche wird heutzutage so viel Wandlungsfähigkeit abverlangt wie der Landwirtschaft. Klimatische Veränderungen, neue Konsumgewohnheiten und politische Vorgaben, wie die Düngeverordnung, erschweren Landwirten das Arbeiten nach dem Status quo. Geschuldet der Entfremdung zwischen ländlichem und städtischem Raum, kommt das zunehmend negative Image des Bauernberufs hinzu.

Wie kann und sollte man in Zukunft Landwirtschaft kommunizieren? Darum geht es auch im ersten Praxis-Talk von Farm & Food.

Der Praxis-Talk #01 ist vorbei

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Von Laura von Ketteler

Die Erwartungshaltung an den Landwirt ist hoch: Lebensmittel sollen umweltfreundlich, gesund, tierfreundlich und auf so wenig Fläche wie möglich produziert werden, aber das Steak soll bitte nach wie vor 1,99€ und der Liter Milch 78 Cent kosten. Werden die Anbaukriterien nicht erfüllt, wird der Landwirt oft als Klimakiller oder Tierquäler beschimpft.

Deutlich wird, dass die Branche viel ungenutztes Wandlungspotenzial hat. Innovation und Kommunikation sind hier gefragt. Jammern hilft nicht, da sind sich viele Landwirte heute einig. Die Veränderung kommt nicht von außen, und wenn dann nur schleppend. Es ist also an der Zeit auf dem Betrieb selbst aktiv zu werden.

Wie sieht es eigentlich aus in der Deutschen AgTech Start-Up-Szene? Laut des EY Start-Up Barometers gibt es im AgTech Bereich deutschlandweit die wenigsten Start-Ups und er beinhaltet den geringsten Venture Capital Anteil. 2019 wurden nur 29€ Millionen von insgesamt 4.6 Milliarden Euro in AgTech Unternehmen investiert.

Die Implementierung von Start-Ups, die nicht von den Praktikern selbst entwickelt wurden, ist oft schwierig und viele Ansätze scheitern. Klar wird, der Landwirt muss selber handeln, um sich den heutigen Gegebenheiten anpassen zu können. Darüber hinaus trägt er die Verantwortung, dass was er tut in die Außenwelt zu tragen und transparent zu werden. Neben einem zeitintensiven Job als Landwirt, leichter gesagt als getan.

Der Transfer vom Betrieb in die Außenwelt

„Wir müssen nach außen kommunizieren, um den Verbrauchern zu zeigen, wie Landwirtschaft funktioniert, dass sich schon vieles verändert hat und dass wir Dinge aktiv angehen“ sagt Phillip Krainbring. Der Landwirt kommuniziert vor allem in Corona-Zeiten über die sozialen Medien und seinen Blog „Erklärbauer“ mit der Außenwelt. Aber der persönliche Kontakt ist ihm nach wie vor wichtiger. Auf Foren, in der örtlichen Grundschule und durch Medien wie Zeitung und Radio sucht er das Gespräch mit der Öffentlichkeit, um der Landwirtschaft ein Gesicht zu geben. „Sobald Menschen die Landwirtschaft mit Personen in Verbindung bringen, sind sie weniger negativ und diskutierfreudiger“ davon ist er überzeugt.

In der Geschichte der Menschheit war es nie notwendig, Landwirtschaft zu kommunizieren. Heute ist das anders. Die Gesellschaft hat sich in den letzten 20 Jahren stark verändert. Menschen ziehen in die Städte und haben ihren Berührungspunkt mit dem ländlichen Raum verloren. Die Landwirtschaft ist beinahe vollständig aus den Köpfen der Menschen verschwunden und mit ihr der Bezug zur Lebensmittelherstellung.

„Politischer und wirtschaftlicher Druck lastet auf den Betrieben. Aber sicherlich hat die Landwirtschaft auch nicht immer glücklich agiert“ fügt Philip hinzu. Für ihn liegt die Lösung ganz klar auf dem eigenen Betrieb. Landwirte müssen fortschrittlich arbeiten und das was sie tun nach außen tragen. Der Landwirt muss seiner Meinung nach wie es so schön heißt „vor die Welle kommen“, proaktiv handeln und nicht immer nur reagieren.

Umstrukturierung bedeutet Wettbewerbsvorteil

Landwirt Johann Falter will Landwirtschaft kommunizieren

Johann Falter

Johann Falter, Bodenbotschafter der Interessensgemeinschaft gesunder Boden und Ceres Nominierter 2019, sieht das genauso. Auf seinem Betrieb im bayerischen Landkreis Altötting hat sich seit seiner Übernahme einiges verändert. „Umstrukturierung bedeutet für mich Wettbewerbsvorteil. Ein Unternehmen nimmt auch nicht alles so hin wie es ist, sondern muss sich ständig weiterentwickeln“ davon ist Johann überzeugt. Was Stillstand im Unternehmertum heißt, haben auch andere Unternehmen wie Schlecker und Nokia gezeigt.

Johanns Ziel war es seinen Betrieb unabhängig und das Beste aus den eigenen Ressourcen zu machen. Auf einem energieeffizienten und umweltfreundlichen Weg. Die Kulturen verkauft der Junglandwirt ganz klassisch und aus den Überresten produziert er grünen Strom in der Biogasanlage. Die anfallende Wärme nutzt er wiederum für den Betrieb. Mit dem Einsatz einer Gärrestanlage produziert er seinen eigenen Naturdünger, den er europaweit im Gemüseanbau verkauft. Es entsteht ein geschlossener Kreislauf.

Auf dem Acker folgt er den Prinzipien der regenerativen Landwirtschaft und arbeitet mit Start-Ups wie SeedForward zusammen, die eine organische Saatgutbeschichtung entwickelt haben. Ein gesunder Boden steht für ihn im Fokus.

Mangel an Zeit und Geld steht oft im Wege

Johann und Phillip sind nicht die einzigen deutschen Landwirte, die neues wagen. Dennoch gehören sie zu einer Minderheit. Warum fällt es so vielen Landwirten schwer umzudenken? Wie so oft ist die Antwort auf diese Frage mangelnde Zeit und mangelndes Geld. „Betriebe sind so ausgelastet, dass sie ihr Arbeitspensum gerade so wuppen können. Oft steht aber auch der fehlende Glaube daran etwas verändern zu können oder die Angst vor Veränderung im Wege“ antwortet Phillip.

Seiner Meinung nach müssen staatliche Investitionen nicht nur in Maschinen und den Stallbau gehen, sondern auch in Verbesserung des Bodens fließen. Sein Rat für Berufskollegen: „Das was total absurd wirkt, da würde ich genauer hinschauen, klein anfangen und Versuche machen.“

Johann ist ähnlicher Meinung: „Planungssicherheit, Zeit und Geld spielen eine große Rolle. Planungssicherheit ist nicht mehr gegeben in der Landwirtschaft. Es kommt zu viel Gegenwind von den Verbrauchern und der Politik. Die Bauern können nicht mehr mit Stetigkeit rechnen.“

Sein Ansatz für ein größere Akzeptanz der Landwirtschaft fängt bei den Kindern an. Lebensmittelproduktion sieht er im Lehrplan integriert. Um den Kindern die schwere Arbeit, die hinter der Landwirtschaft steckt, zu vermitteln und zu lehren, dass die Milch nicht aus der Milkakuh kommt. Kinder als Multiplikatoren.  

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