Farm & Food 4.0
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09. Juni 2021

Mit Biostimulanzien gegen die Klimakrise

Ellen Pfoh berichtet über Erfahrungen mit Blattdünger und Granulat

Ellen Pfoh studiert Wein-Technologie-Management und unterstützt ihre Eltern auf dem Familienbetrieb mit Ackerbau und Weinbau im Nebenerwerb im Landkreis Heilbronn. Im Interview erzählt sie, wie der Betrieb Trockenheit und Klimawandel mit Biostimulanzien in Form von Granulat und Blattdünger entgegen tritt und sogar die Skepsis der Berufskollegen überwinden konnte. Am 16. Juni findet unser digitaler Praxis-Talk zu Biostimulanzien mit ExpertInnen und LandwirtInnen statt.

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Farm & Food: Was versteht ihr unter Biostimulanzien?

Naja, umgangssprachlich füttern wir die Mikroorganismen in unseren Böden. In unserem Betrieb setzen wir Biostimulanzien zum einen in fester Form als Granulat ein, bei dem die Substrate als Aktivatoren für den Humusaufbau in unseren Böden eingesetzt werden. Zum anderen setzen wir Biostimulanzien auch in flüssiger Form basierend auf Algen, Silizium, natürlichem Gibberellin oder Aminosäuren als Blattdünger ein. So fördern wir den Stoffwechsel der Pflanze und sorgen für die Pflanzengesundheit und die Vitalität der Kultur.

Wie seit ihr zu diesen (neuen) Produkten gekommen und warum?

Es hat alles mit einem kleinen Versuch auf unseren Flächen angefangen. Durch die immer mehr werdenden Wetterextreme und die Einschränkungen durch die Düngeverordnung mussten wir unseren Betrieb umstrukturieren. Durch den Einsatz von Biostimulanzien haben wir einen Weg gefunden um zukunftssicher und im Einklang mit der Natur zu arbeiten und das Beste aus den gegebenen Umständen zumachen. Bis alle von den oft als „überflüssig“ betitelten Hilfsmitteln überzeugt waren hat es dennoch gedauert, insbesondere einige Berufskollegen und Berufskolleginnen waren anfangs skeptisch. Doch als die Unterschiede von Nachbar zu Nachbar sichtbar waren, gab es durch aus Lob und die Skepsis wurde immer weniger.

Was sind eure Erfahrungen mit Biostimulanzien?

Der Einsatz von Biostimulanzien war für unseren Betrieb ein kleines Experiment mit dem wir sehr gute Ergebnisse erzielen. Wir setzen die Stimulanzien in Form von Granulat seit etwa 6 Jahren in unserem Betrieb ein und nach etwa 4 Jahr war der Einsatz deutlich erkennbar. Jetzt sehen wir die Erfolge bei der Betrachtung unserer Bodenstruktur, die nun eine sehr gute Porosität des Bodes aufweist und eine leichtere Bodenbearbeitung ermöglicht. Unsere Böden nehmen besser Wasser auf und speichern dieses besser bei Starkregen. Zudem geraten unsere Pflanzen erst spät in den Trockenstress und können sich schneller davon erholen. Wir erreichen ein besseres Pflanzenauflaufen, eine bessere Pflanzenentwicklung und eine sehr gute Durchlüftung des Bodens. In flüssiger Form werden die Stimulanzien als Zugabe bei der Herbizid- und Fungizidspritzung eingesetzt. Wir verbessern so die Abwehrkräfte der Pflanze gegen den Stress bei der Beikrautbekämpfung. Außerdem fördern wir den Pflanzenstoffwechsel der so die Herbizide schneller entgiftet und die Fotosyntheseleistung erhöht. Wir erreichen durch den Einsatz von Biostimulanzien in unserem Betrieb einen gesunden Boden und vitale Pflanzen und können dadurch effizienter Wirtschaften.

Wann und wie setzt ihr Biostimulanzien ein?

Im Herbst nach der Ernte streuen wir das Granulat auf den Acker und in den Weinberg so erzielen wir eine Bindung des Restsickstoffs im Boden und machen ihn so verfügbar für die Folgekultur und vermeiden eine Auswaschung in das Grundwasser. In flüssiger Form auf Basis von Algen, Silizium, natürlichem Gibberellin oder Aminosäuren setzen wir die Stimulanzien annähernd bei jeder Spritzung auf dem Acker und in jeder Kultur ein. Im Weinberg bringen wir ebenfalls bei den Spritzungen bis zum Traubenschluss die Hilfsmittel aus. So erzielen wir einen Schutz vor der Trockenheit, eine Verbesserung des Wasserhaushaltes und eine Förderung der Nährstoffeffizienz. Den Effekt sieht man so fort, man muss also nicht lange warten.

Was wünscht ihr euch von Seiten der Anbieter und der Wissenschaft?

Am besten eine gemeinsame Zukunft. Unser Betrieb befindet sich in einer Exponierten-Lage, wir sind dadurch sehr bei der Ausbringung von Düngemitteln insbesondere Stickstoff eingeschränkt. Daher mussten wir einen Weg finden den uns zur Verfügung stehenden Stickstoff noch effizienter zu nutzen und den fehlenden Stickstoff zu kompensieren. Dies erreichen wir durch den Einsatz von Biostimulanzien. Da bald alle unsere Berufskollegen und Berufskolleginnen vor dieser Herausforderung stehen würden wir uns von den Anbietern und der Wissenschaft wünschen, Wegweisend voran zugehen um den landwirtschaftlichen Betrieben eine zukunftssichere Perspektive zu bieten

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