18. Januar 2021
International Congress Berlin
Farm & Food 4.0
Credits: Leo Seidel

04. Juni 2020

Leere Hallen, volle Channel

Online-Events sind nicht nur in Zeiten von Corona eine Chance. Ein Gespräch

Um sich an die aktuelle Situation anzupassen und z.B. nebenbei Emissionen zu reduzieren, setzen zurzeit viele Veranstalter auf Online-Events. Auch Farm & Food prüft Alternativen zum jährlichen Kongress in Berlin und wälzt neue Ideen. Die diesjährige One, eine internationale Veranstaltung des Unternehmes Alltech mit Tausenden von Teilnehmern, die noch im letzten Jahr in Kentucky stattfand – ist in diesem Mai online gegangen. Die Entscheidung sei eher kurzfristig gewesen, sagt Alltechs CEO, Mark Lyons. Der Projektleiter von Farm & Food, Matthias Lech, setzte sich mit Lyons zusammen, natürlich während eines Online-Gesprächs, um darüber zu diskutieren, wie wir es unseren Communities ermöglichen können, neue Ideen auszutauschen, brennende Fragen zu diskutieren und neue Kontakte zu knüpfen: Trotzdem wir vor Laptops und Smartphones sitzen, anstatt in Konferenzsälen und Foyers.

Matthias Lech: Guten Tag Dr. Lyons! Sie sind Präsident und Geschäftsführer von Alltech und veranstalten gerade die One in den USA. Die Veranstaltung gibt es seit 35 Jahren, aber in diesem Jahr ist einiges anders. Sie kommen erstmalig mit Ihrem Netzwerk nicht live, sondern auf einem Online-Event rein virtuell zusammen. Wie fühlt sich das an? Was sind Ihre Erfahrungen aus den vergangenen Tagen? 
Mark LyonsJa, heute ist einiges anders. Hier vor Ort in Kentucky zu sein, war immer sehr wichtig für uns. So viele Länder, so viele Leute zusammen. Das war etwas Besonderes in jedem Jahr.  

Wir haben vor mehr als zwei Monaten die Entscheidung getroffen, dass wir etwas ändern müssen. Und in dieser kurzen Zeit hat unser Team hat alles neu gemacht. Und jetzt haben wir dieses Online-Event, eine rein virtuelle One2020.  

Diese Energie, die man hat, wenn so viele Menschen sich treffen, die kann ein Online-Event nicht wiederholen. Auf der anderen Seite haben wir über 22.000 Teilnehmer aus mehr Ländern als sonst. Ich glaube, einmal waren 70 Länder auf der One vertreten. In diesem Jahr haben wir Teilnehmer aus fast 120 Ländern. 

Es ist etwas Neues. Wir haben immer noch viel Interaktion zwischen unseren Teilnehmern. Es ist demokratischer, könnte man sagen. Auch Leute, die nicht so gut Englisch sprechen, können teilnehmen, die Hemmschwelle ist niedriger, glaube ich.  

Das Event dauert noch drei Tage und wir sammeln weiter Informationen. Ich denke, wir könnten jeden Monat ein Online-Event durchführen. Ich glaube, diese Erfahrung wird die One für uns für immer verändern.   

Lyons über Online-Events

Matthias Lech und Mark Lyons diskutieren Online-Events der Zukunft

 

Es ist interessant, dass Sie jetzt schon nach vorne gucken und merken, dass diese Art der Kommunikation für Sie funktioniert. Wie lassen sich persönliche Gespräche, dieses Gefühl der Gemeinsamkeit für die Zukunft bedenken? Wie lässt sich das digital überbringen?
Dieses Network, diese Plattform, die wir jetzt haben, bietet viele Möglichkeiten zur Interaktion. Über Chats und Social Media beispielsweiseNormalerweise machen wir hier in Kentucky, vor Ort90 Prozent der Arbeit. Jetzt hängt das mehr von unseren Teams in den anderen Ländern ab.  

Wir organisieren in Berlin einmal im Jahr die Farm & Food, eine Konferenz für Innovationen, auch im AgriFood-Bereich. Sie findet immer Anfang des Jahres in Berlin statt. Der Termin für 2021 steht noch aus und es steht auch ein bisschen in den Sternen, wie wir das umsetzen. Ich glaube auch, dass wir im Konferenz- und Veranstaltungsbereich diese Tools zukünftig noch stärker einbeziehen müssen. Meine Hoffnung ist dennoch, dass wir auch weiterhin live zusammenkommen, um ein gemeinsam für die Zukunft entwickeln zu können und sich auszutauschen. Was erwarten Sie von der One 2021? 
Wir müssen sagen, dass es anders wird. Da brauchen wir uns nichts vormachen. Das war etwas, was mich persönlich beeindruckt hat: Cade Coleman hat in ihrem Gespräch gesagt, es wird anders. Wir müssen uns das vorhalten. Wir werden sehen, wie es sich entwickelt.  

Im Moment lernen wir, mit diesem neuen Format des Online-Events zu arbeiten. Wir haben bereits Ideen für ein monatliches Event. Es gibt so viele Themen, so viele Fragen, mit denen wir uns beschäftigen. Was passiert gerade mit der Landwirtschaft in Afrika?  

Gleichzeitig können wir von anderen lernen, von euch zum Beispiel und diskutieren, was für uns funktioniert oder nicht.  Jedes Land geht anders mit dem Virus Covid 19 um, in Deutschland werden Lock down-Regelungen anders gehandhabt als in den USA, usw. So oder so wird es noch lange dauern, bis die Leute sagen, dass sie wieder an einem Live-Event teilnehmen wollen, denke ich.  

Wir haben jetzt die Chance, unsere Wertschöpfungsketten neu aufzusetzen

 

Das wird es absolut. Die ganze Welt spürt gerade die Auswirkungen des Virus. Auch in Deutschland hat Covid 19 Risiken und Probleme in unserem Foodsystem enttarnt. Was denken Sie, wie können wir unsere Wertschöpfungsketten in der Zukunft resistenter gestalten, damit wir mit solchen Krisen besser umgehen können? 
Ich glaube, das ist eine sehr wichtige Frage. Was wir zurzeit sehen, ist auch für mich neu. Wir haben (in der Lebensmittelproduktion, A.d.R.) immer auf billig und effizient gesetzt. Wir müssen umdenken.  

Wir sehen auch, dass die Lieferkette kleiner wird, enger. Ich glaube, es gibt auch große Möglichkeiten für mehr lokale Produktion. Jahrelang haben wir allerdings auf die Entwicklung eines globalen Marktes gesetzt. Verbraucher allerdings werden künftig anders denken, und das wird wiederum neue Möglichkeiten eröffnen.

Richtig. Vergangenes Jahr in Dublin habe ich erlebt, dass Alltech diese Wechselbeziehung zwischen Produktion und Verbraucher gut kennt und wirklich verstanden hat, dass beides zusammengehört.  
Was denken Sie, wie können Landwirte zukünftig von dieser Beziehung, von Trends profitieren? Wie können sie auch regional sich Märkte erschließen? 
Ivielen Ländern gibt es eine Disruption in der Struktur eines Betriebes. Die Ausgangssituation für viele Betriebe ist die, dass sie keine Möglichkeit haben, ihre Produkte lokal weiterverkaufen zu könnenUnd deswegen suchen Landwirte jetzt den Direktkontakt zum Verbraucher. Ich glaube, das birgt große Chancen. 

Wir müssen mehr Informationen direkt an die Verbraucher geben. In Irland haben wir dafür gute Voraussetzungen, die tatsächliche, räumliche Distanz zwischen Stadt und Land ist nicht so groß.  

Landwirte müssen ihre Story erzählen. Darüber, was und wie sie produzieren. Dafür brauchen sie ein Publikum. Und ich glaube, das zunehmende Interesse seitens der Verbraucher daran, wo ihre Lebensmittel herkommen, ermöglicht diesen Austausch.  

Was denken Sie, was werden die großen Themen bezüglich der Lebensmittelversorgung der Zukunft sein? 
Eine große Frage. Ich denke, dass wir mehr auf diejenigen hören sollten, die das Fachwissen haben, das wir brauchen, um unsere Zukunft zu sichern. Wissenschaftler zum Beispiel wurden lange ignoriert oder für ihre Warnungen vor dem Klimawandel verspottet. Wir sollten auf dieses Wissen achten und es nutzen.  

Auch wir sehen das. Mehr Menschen denken darüber nach, wo ihre Lebensmittel herkommen. Sie wollen Lebensmittel, die wirklich gut für ihre Gesundheit sind. Das ist eine große Möglichkeit für die Zukunft, für unsere Industrie.  

Wir müssen die Ideen und Innovationen, die wir haben, nutzen. Kontakte knüpfen, zusammenarbeiten.  

Im Kern geht es darum, dass wir letztendlich Lebensmittel produzieren, die für den Menschen gesund sind und deren Produktion mit Umwelt und Tierwohl im Einklang ist. Wenn Sie aus diesem Dreiklang nur drei Trends ableiten würden für die Zukunft, welche wären das? 
Ich glaube, die Landwirtschaft hat gerade die große Chance, uns zu deutlich zu machen, dass sie eine große Rolle in der Gestaltung der Zukunft unseres Planeten spielt. Und wir wollen ein Teilnehmer in dieser Diskussion sein.  

Und diese Diskussion ist vielfältig. Wenn die Art und Weise, Proteine zu produzieren, ein Teil davon ist, dann ist sie das. Genauso gibt es viele Leute, die denken „das ist nicht natürlich“. Trotzdem diese Vielfalt in der Diskussion und in der Entwicklung neuer Technologien fortzusetzen, ist auch Aufgabe von Events wie der One oder eurer Veranstaltung. 

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